Gedanken über Gefühle

Immer öfter scheint es mir, als könnten die Menschen ihren Gefühlen keinen Ausdruck mehr verleihen, als sei das besitzen von Gefühlen, wie der Biss einer Klapperschlange, die ungeduldig auf ihr Mahl wartet. Doch sind  nicht die Gefühle das, was unser Leben lebenswert macht. Wenn es so schwer ist sie zu zeigen, wie sollen wir dann jemals glücklich auf Erden wandeln? Wie sollen wir je erfahren, was Glück ist? Und was es ist, das uns an jedem neuen Tag tief in unserer Seele fehlt?
 
Vor einiger Zeit sah ich ein Kind, kaum aus seinem fünften Jahr heraus, dass auf die Frage wie es sich Elfen vorstelle mir antwortete: „ Elfen? Elfen gibt es nicht!“ Und ein vielleicht zwölfjähriger stand da, telefonierte mit seinem teuren Handy und hatte den Ton eines langjährigen Geschäftsmannes am Leibe und sprach pausenlos nur übers Geld. Bitte, lieber Gott im Himmel, wenn es dich wirklich gibt, dann bitte sage mir, wo ist die Liebe zu den Märchen hin, die es überall zu finden gab, als ich noch klein und unbeschwert, warum kennen so viele Kinder heute kaum noch welche und warum höre ich so ernste, trockene, gemeine und unschöne Worte aus den Mündern von Kindern, die kaum die Schulbank haben gesehen. Was ist nur passiert, dass es kaum Menschen gibt, die noch an Märchen       glauben, dass es so wenig Menschen gibt, die – wenn noch in Besitz  wahrhaftiger, guter Phantasie – ihren Phantasien keinen Ausdruck mehr verleihen, geschweige denn an sie glauben oder sie für ihr eigenes Seelenheil verwenden?
 
Ich selbst lebe meine Phantasien gerne aus, soweit es geht. Man könnte fast sagen, dass ich in einer Phantasiewelt lebe und nur allzu ungern aus meinen Träumen gerissen werde, doch leider

werde ich immer wieder und immer öfter und auch für immer länger aus meiner Phantasiewelt gerissen und so wird es weitergehen und es wird immer öfter geschehen. Aber ich hoffe, mit jeder Faser meines Herzens, dass mir immer meine Phantasie bleibt und ich mich jederzeit, in ruhigen Nächten oder in wenigen sinnlichen Augenblicken, mich in meine Welt zurückziehen kann, die ich schon als Kleinkind so sehr liebte und die mir schon tausendmal mein einz´ger Trost war in dieser erkaltenden und lieblos werdenden Welt.
 
Stephanie-Jane Kruppa 25.08.01