Das Spiel mit Ohnmacht und Macht (Judith)

Sicherlich kann man davon ausgehen, dass niemanden das Gefühl der Ohnmacht (außer im bestimmten sexuellen Situationen ;)) wirklich gefällt. Ohnmacht ist das Gefühl des Hilflos-Ausgeliefert-Seins bzw. des zeitweisen Zustandes der Bewusstlosigkeit, also ohne Bewusstsein. Was heißt das? In Moment der Ohnmacht ist der Mensch nicht in der Lage, seine Umgebung mit allen Sinnen zu erkennen und zu verarbeiten. Er versteht die Welt nicht mehr bzw. sieht keinen Weg, den Zustand zu verändern.

Bei der Hypnose wird für einen Bruchteil einer Sekunde mit diesem Gefühl gespielt, da unser Unterbewusstsein darauf programmiert ist, Schaden von uns fernzuhalten. Wird unser Unterbewusstsein kurzzeitig beschäftigt, kann es die „Abschaltung“ des Bewusstseins nicht aufhalten.

So etwas Ähnliches passiert uns tagtäglich, wenn wir unsere aktuelle Lebenssituation betrachten, die Medien nach neusten Informationen durchforsten und alles mit unserem großen Lebensplan abgleichen wollen.

Bei der Verarbeitung gibt es grob betrachtet verschiedene Gruppen bzw. Herangehensweisen.

Die einen nehmen das Gehörte oder Gelesene wahr und hinterfragen es nicht mehr, sie können es ohnehin nicht ändern, nennen wir sie die „Gruppe des Hinnehmens“. Sie konzentrieren sich vorrangig auf die Gestaltung ihrer Lebenszeit, auf das Jetzt und Hier und sie tun gut daran, denn schließlich haben wir nur das eine Leben, welches wir genießen wollen. Die zwar immer weniger werdenden kostenfreien Schönheiten, die uns umgeben, bieten Möglichkeiten zur Zerstreuung und aktiven Erholung. Die benötigen wir auch, um uns den Anforderungen des alltäglichen, insbesondere sozialen Lebens stellen zu können.

Die andere Gruppe, wir nennen sie hier „Gruppe der Teilhabe“ nimmt die Informationen auf und hinterfragt diese zumeist kritisch. Dabei spielen die Erziehung, soziale Einbindung und Prägung eine wichtige Rolle. Sie verwenden kostbare Freizeit darauf, das Leben um sich herum und damit auch ihren eigenen Spielraum zu verstehen und Wege zu finden, ihre Situation zu neu zu gestalten. Die Verbesserung kann finanzieller oder auch sozialer Natur sein. Aufgrund der Fülle der „Baustellen“, die beackert werden müssen, um die erwünschte Veränderung herbeizuführen entsteht nun wiederum bei einem Teil dieser Gruppe das oben beschriebene Ohnmachtsgefühl. Ich allein kann die Welt nicht ändern. Geld regiert die Welt und ich habe nicht genug davon. Die da oben machen sowieso dass, was die Reichen wollen. Wenn auch der Austausch mit anderen in den für die Person erreichbaren sozialen Gefügen nicht zufriedenstellende Lösungsansätze bietet, ist häufig Resignation die Folge.

Die „Aussteiger“ aus der „Gruppe der Teilhabe“ sind nach meiner Beobachtung vorrangig Menschen, die ihren Fokus aus verschiedenen Gründen vorrangig auf ihr eigenes Dasein ausgerichtet haben. Diese Aussage bitte ich als wertneutral anzusehen, denn so ist sie auch gemeint.

Über das, was diese Erkenntnis mit dem einzelnen machen kann, soll an anderer Stelle philosophiert werden. In einem Umfeld konnte ich beobachten, dass Mitglieder dieses Verarbeitungsweges über einen längeren Zeitraum betrachtet immer weiter in Richtung der  „Gruppe des Hinnehmens“ rücken.

Die noch verbleibenden Teilnehmer der „Gruppe der Teilhabe“ versuchen Lösungsansätze für gesamtgesellschaftliche Veränderungen zu finden, zu formulieren oder herbeizuführen. Nicht selten schließen sie sich Parteien oder Bürgerinitiativen an, da die Veränderung von vielen ausgehen muss, um zu gelingen.

An genau dieser entscheidenden Stelle scheiden sich die Geister, denn je nachdem, wie man die Zukunft gestaltet sehen möchte, greifen die zahlreich vertretenen Ideologien. Je nachdem,  wie nahe die Zukunftsversion der eigenen ist oder wie genau das aktuelles Befinden in Wort und/oder Bild wiedergespiegelt wird, fällt die Entscheidung für eine Richtung aus.

Zunächst scheint es dabei unerheblich, wie intensiv ich mit den kommunizierten und gelebten Einstellungen der Gruppierung auseinander setze, wichtig ist das Ziel, die Verbesserung der eigenen und/oder der Gesamtsituation. Liegt der Fokus mehr auf der persönlichen Situation fällt die Entscheidung tendenziell leichter, denn wenn jeder an sich denkt, ist an uns alle gedacht. Dabei haben noch nicht etablierte Strömungen logischerweise eine höhere Magnetwirkung. Häufig werden diese als Protestbewegung oder Protestpartei gesehen und erfahren aus dem Ohnmachtsgefühl des einzelnen heraus einen hohen Grad an Zuspruch.

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