Banalität der Sprache (Judith)

Meine Mama liebte es, Quizshows zu verfolgen. Menschen mit sehr breitem Wissen und einer hohen Intelligenz faszinierten sie. Sehr häufig stolperten die Kandidaten dann über sehr banale Fragen. Vielleicht, weil hinter allem allzu Offensichtlichem immer eine Falle vermutet wird.

Wenn ich – im Regelfall sehr lange – Artikel zu Themen unseres Zusammenlebens, unserer Gesellschaft lese oder höre, dann strotzen die zumeist wissenschaftlich anmutenden Formulierungen, vor Fremdwörtern, Fakten oder Beispielen.

Damit unterstreichen die Autoren gefühlt ihre Kompetenz und objektive Sicht auf die Dinge. Jedem ist klar, dass Objektivität, also Betrachtung ohne jeden Einfluss von Prägung und Gefühl überhaupt nicht möglich ist.

Auch dieser, sprachlich hoffentlich recht einfach gehaltene Text kann den Anspruch einer objektiven Betrachtung nicht erfüllen, daher stelle ich mein Erkenntnisse und Denkprozesse in der Ich-Form dar. Zugleich gehe ich natürlich auch davon aus, dass die eine oder der andere sich in den Ausführungen wiedererkennt und seine ganz individuellen Schlüsse daraus zieht.

Ich habe mir die Frage gestellt, was passiert mit mir, wenn ich oben beschriebene Texte konsumiere und bin zu einer erschreckenden Erkenntnis gelangt.

Die ersten Sätze verfolge ich sehr aufmerksam, das zu behandelnde Thema wird in noch relativ umgangssprachlichem Wortlaut erklärt. Mein Interesse ist nicht geweckt, ich lege den Artikel zur Seite, es ist geweckt und ich lese/höre weiter.

Es folgt zumeist eine Aneinander Kettung von Beispielen, die in komplizierten Satzgebilden und/oder mit hochwissenschaftlich klingenden Begrifflichkeiten umschrieben werden, meine Aufmerksamkeit sinkt, denn mich interessiert ja das vorangestellte Thema. Wenn ich in den Halbschlaf versetzt wurde, nehme ich noch die Schlagworte, die Blitzlichter des Vortrages auf. Mein Gefühl sagt mir, ob ich die mit diesen Schlagwörtern verknüpften Wertungen befürworte oder ablehne. Bei der Zusammenfassung, dem Endspurt des Vortrages oder Artikels habe ich mir aus den aufgenommenen Blitzlichtern meine Version zusammengebaut ohne dabei zu bewusst zu erkennen, welche Informationen zwischen den Zeilen, in denen eben diese Signalwörter auftauchten, mittransportiert wurden. Meiner Weltanschauung entsprechend werde ich diesen Artikel bei einer Diskussion also zitieren und als Unterstreichung meiner Meinung benutzen.

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